VIER PFOTEN schliesst erstmals Katzen-Schlachthaus und -Restaurant in Vietnam

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 25 Tiere wurden kurz vor der brutalen Schlachtung gerettet

(Zürich)(PPS) Der globalen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN ist es am 15. Dezember das erste Mal gelungen, ein Katzenfleisch-Restaurant inklusive Schlachtbetrieb in Vietnam zu schliessen und die dort befindlichen 25 Tiere, darunter auch fünf Hunde, zu retten. Das Restaurant lag in der Stadt Thai Binh, bekannt als Katzenfleisch-Hot Spot, und gab an, monatlich rund 240 Tiere – der Grossteil davon Katzen – zu schlachten. Die geretteten Katzen und Hunde brachte das VIER PFOTEN Team zunächst in ihr Bärenschutzzentrum in Ninh Binh, wo Tierärzte die Tiere medizinisch betreuten. Nach der Erstversorgung und Rehabilitation werden sie zur Adoption freigegeben. Jährlich werden in Vietnam rund fünf Millionen Hunde und eine Million Katzen für ihr Fleisch grausam geschlachtet – viele davon sind gestohlene Haustiere.

Vor allem Katzenfleisch gilt in Vietnam als Delikatesse und somit ist der Handel damit besonders lukrativ. Laut VIER PFOTEN Recherchen bringt das Kilo Hundefleisch zwischen 6 Euro (CHF 6,45) und 9 Euro (CHF 6,70). Katzenfleisch kann pro Kilo hingegen bis zu 11 Euro (CH 11,85) kosten – im Falle einer schwarzen Katze sogar bis zu 20 Euro (CHF 21,55). «Jedes Jahr werden Millionen Hunde und Katzen – egal ob gesund oder krank, Streuner oder Haustiere – in Vietnam brutal eingefangen, in winzige Käfige gesteckt und unkontrolliert tagelang quer durch das ganze Land transportiert. Um den Appetit nach Hunde- und Katzenfleisch zu stillen, werden auch Tiere aus China und Laos importiert. Das ist nicht nur Tierquälerei, sondern gerade in Zeiten wie diesen ein Hohn für die öffentliche Gesundheit», sagt Dr. Katherine Polak, Tierärztin und Leiterin der VIER PFOTEN Streunerhilfe in Südostasien. Die unhygienischen Zustände während des Transports, aber auch in den Schlachthöfen und Restaurants, die oft verschiedenste Tierarten halten, begünstigen die Entstehung zoonotischer Krankheiten, ähnlich wie bei COVID-19. Zudem steht der Handel in Verbindung mit Ausbrüchen von Tollwut und Cholera. «Wenn Vietnam ernsthaft am Schutz der öffentlichen Gesundheit interessiert ist, muss die Regierung dem Hunde- und Katzenfleischhandel endlich den Riegel vorschieben», ergänzt Dr. Polak.

Beliebtes Hunde- und Katzenfleisch-Restaurant wird Motorrad-Shop

Auf das Restaurant in Thai Binh – spezialisiert auf Katzen- und Hundefleischgerichte – wurde das VIER PFOTEN Team erstmals 2019 im Rahmen ihrer landesweiten Recherchen in Vietnam aufmerksam. Die Restaurantbesitzer, ein vietnamesisches Ehepaar, baten VIER PFOTEN um Hilfe, um aus dem Handel auszusteigen. VIER PFOTEN und ihre Partnerorganisation «Change for Animals Foundation» helfen beim Aufbau eines Motorradgeschäfts unter der Bedingung, dass das Ehepaar nie wieder im Katzen- und Hundefleisch-Handel tätig wird und VIER PFOTEN beim Aufspüren und Schliessen ähnlicher Restaurants in der Region hilft. Das Restaurant in Thai Binh war beliebt bei Einheimischen und Arbeitern, die die Katzen- und Hundefleischgerichte auch in den Mittagspausen abholten. Da der Konsum von Katzen- und Hundefleisch oft mit Aberglauben und dem Mondkalender verbunden ist, verzeichneten die Restaurantbesitzer besonders gegen Monatsende eine erhöhte Nachfrage. Viele Kunden dachten auch, dass der Verzehr Glück bringt oder eine wärmende Wirkung hat. 

Hunde- und Katzenfleischhandel: Eine legale Grauzone

Im Gegensatz zum hiesigen Hundefleischhandel war das Jagen, Schlachten und Konsumieren von Katzen in Vietnam bis Januar 2020 explizit verboten. Das Gesetz wurde jedoch abgeschafft und Katzenfleisch ist gefragter denn je – besonders im Norden des Landes. Der Handel ist aber oft mit illegalen und brutalen Aktivitäten verbunden. Da die steigende Nachfrage nicht mehr allein durch Streunertiere befriedigt werden kann, stehlen Katzen- und Hundefleischhändler oft auch Haustiere. Das wiederum führt immer öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Haustierbesitzern und Katzen- und Hundedieben, die in der Vergangenheit auch tödlich endeten.

Über eine Million Menschen gegen den Hunde- und Katzenfleischhandel

Für die Restaurant-Schliessung und Rettung der Tiere in Thai Binh arbeiteten VIER PFOTEN und die Change for Animals Foundation mit lokalen Mitgliedern der «Cats Matter Too» Koalition, wie beispielsweise «Hanoi Pet Resuce», «Paws for Compassion» und «Vietnam Cat Welfare», zusammen. Um den brutalen Handel mit Hunde- und Katzenfleisch in Südostasien nachhaltig zu beenden, hat VIER PFOTEN zudem eine Kampagne auf internationaler und nationaler Ebene gestartet. Über eine Million Menschen weltweit haben bereits die Petition für das Ende des Hunde- Katzenfleischhandels unterschrieben, darunter auch 200’000 Vietnamesen. «Durch Aufklärungsarbeit und Kooperationen mit den verantwortlichen Behörden und Tourismusverbänden sollen die Regierungen dazu gebracht werden, strenge Tierschutzgesetze einzuführen, die den grausamen Handel mit Hunde- und Katzenfleisch verbieten, um sowohl die Tiere als auch die öffentliche Gesundheit zu schützen. Die aktuelle Schliessung des Katzenfleisch-Restaurants zeigt, dass sich die Zeiten in Vietnam ändern. Immer mehr Tierhalter und junge Menschen sprechen sich gegen den Handel aus, und auch die Besitzer von Restaurants selbst wollen nicht mehr daran

beteiligt sein. Wir hoffen, dass die Schliessung dieses Restaurants und Schlachthofs die erste von vielen in Vietnam ist», sagt Dr. Karanvir Kukreja, Tierarzt und Projektmanager der VIER PFOTEN Kampagne.

Darüber hinaus unterstützt VIER PFOTEN lokale Tierschutzorganisationen und Gemeinden mit humanen und nachhaltigen Programmen zum Management der Hunde- und Katzenpopulation. VIER PFOTEN ist auch Teil der Tierschutzkoalitionen DMFI (Dog Meat Free Indonesia) und ACPA (Asia Canine Protection Alliance), die gegen den Handel in Südostasien lobbyieren.

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