Das Basler-Wassergeheimnis: Aus der Region. Nachhaltig erzeugt. Günstig und gut.

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Baselstädtisches Wasser und Trinkwasser ist reichhaltig vorhanden. 

Der Kanton Basel-Stadt kennt KEINE Trinkwasserknappheit! Auch im Hochsommer nicht.

Dieses im Gegensatz zu den direkt an die Stadt angrenzenden umliegenden Gemeinden und Regionen des Kantons Baselland, die immer wieder wie aktuell das Wasser sparen müssen.

Das sind Riesenvorteile für den Stadtkanton.

Aber wie kommen diese Vorteile zustande? 

Und, was machen die Städter eigentlich anders bei ihrer Wassererzeugung?

Schauen wir uns an, wie das Wasser für den Stadtkanton gewonnen und veredelt wird. 

Wasser ist ja nicht nur in diesem Hitze-Sommer sondern auch global ein sehr heisses Thema.

Unser freiwilliger Mitarbeiter Hansjörg Rosebrock hatte im letzten Frühjahr die Gelegenheit an einer Besichtigung der Trinkwasserzubereitung der IWB teilzunehmen und berichtet darüber höchst Interessantes.

Die IWB – Industrielle Werke Basel

Die IWB (Industrielle Werke Basel) betreiben in Basel-Stadt nicht nur Wasserkraftwerke und Wärmekraftkoppelungsanlagen, wie die KVA (Kehrichtverbrennungsanlage) und Holzkraftwerke, sondern dazu auch noch Photovoltaikanlagen, welche sich zum Teil in IWB- Besitz aber auch in privatem Besitz befinden. Ebenso gehört die Biopower-Anlage in Pratteln im Nachbarkanton Baselland dazu, die aus Abfall das Biogas produziert.

Die Trinkwasseraufbereitung

Wir empfinden es heute (noch) als selbstverständlich, dass wir jederzeit frisches und qualitativ einwandfreies Trinkwasser in ausreichender Menge aus dem Wasserhahn beziehen können. 

Aber wer weiss schon genau, welcher Aufwand und welche immense Infrastruktur dahinter notwendig ist?

Um den Trinkwasserbedarf des Stadtkantons Basel-Stadt nachhaltig decken zu können, wird das natürliche Grundwasser mit Wasser aus dem Rhein angereichert. 

In den bewaldeten Wasserstellen des Naherholungsgebietes «Lange Erlen» beginnend hinter dem Badischen Bahnhof in Richtung DE-Lörrach bis zur Landesgrenze nach Deutschland übernehmen Milliarden von Bodenorganismen den Hauptteil der Reinigung für uns. 

Die Nutzung dieses natürlichen Reinigungsprozesses ist in dieser Art einzigartig und bewährt sich sehr gut.

Die Trinkwasserversorgung von Basel-Stadt stützt sich vor allem auf das IWB-eigene Grundwasseranreicherungswerk in den «Langen Erlen» und auf das der Hardwasser AG in Birsfelden im Baselland.

In der Trinkwasseraufbereitung «Lange Erlen» erfolgt die Trinkwasserproduktion durch künstliche Anreicherung des natürlichen Grundwassers. Dem Rhein entnommenes Flusswasser wird vorgereinigt und zur Versickerung gebracht. Das so auf in natürlicher Weise gereinigte Wasser speist den Grundwasserstrom und wird in mehreren Grundwasserbrunnen zusammengefasst und dem Pumpwerk zugeleitet. 

Dort wird das Wasser weiter chemisch-physikalisch aufbereitet und dann mit bester Trinkwasserqualität ins städtische Leitungsnetz gepumpt- rund 25 Millionen Kubikmeter jährlich.

Trinkwasser von höchster Qualität – produziert auf Basler Art

Wasserentnahme aus dem Rhein

Die Trinkwasserversorgung durch die IWB basiert sozusagen auf einer regionalen Grundwasseranreicherung. Das natürlich vorhandene Grundwasser alleine reicht nämlich nicht aus, weshalb es mit Wasser angereichert wird, das in der Rohwasserpumpstation in der Nähe des Kraftwerks Birsfelden BL aus dem Rhein entnommen wird. Damit produzieren die «Langen Erlen» 50 Prozent des benötigten Trinkwassers. Die andere Hälfte stammt von der Hardwasser AG, die im Hardwald in Muttenz im Baselland auf ähnliche Weise das Trinkwasser aufbereitet.

Erste Reinigung in der Schnellfilteranlage

Das Rheinwasser wird zunächst für eine erste grobe Reinigung in die Schnellfilteranlage geleitet und dort auf 20 Becken verteilt. In den Becken fliesst es durch eine 85 Zentimeter dicke Quarzsandschicht, die einen grossen Teil der im Wasser enthaltenen Schwebestoffe zurückhält. Pro Tag fliessen so bis zu 100 Millionen Liter Wasser aus dem Becken in ein Reservoir und von dort aus in die Waldgebiete der «Langen Erlen».

Wasserstellen in den Waldgebieten der «Langen Erlen»

In den Waldgebieten der «Langen Erlen» sind 11 Wasserstellen angelegt, die eine Fläche von rund 22 Hektar bedecken. Diese Wasserstellen werden in einem wechselnden Rhythmus über jeweils 10 Tage mit dem filtriertem Rheinwasser geflutet. 

Das Wasser sickert zuerst durch eine 20 – 30 Zentimeter dicke Humusschicht, anschliessend durch eine rund 10 Meter starke Auenlehm-, Kies- und Sandschicht, bevor es schliesslich das natürliche Grundwasser erreicht. 

Auf dem Weg durch dieses Erdreich wird das Wasser chemisch-physikalisch und biologisch gereinigt. Ein grosser Teil der gelösten Stoffe wie organische Verbindungen und Mikroorganismen wird zurückgehalten und durch die im Boden lebenden Organismen abgebaut. 

Dieser einzigartige und natürliche Reinigungsprozess benötigt weder Energie noch den Einsatz von Chemikalien. 

Nach der zehntägigen Bewässerungsperiode wird die Zuleitung von Wasser unterbrochen, so dass die Wasserstellen während 20 Tagen trocknen und sich regenerieren können. 

Dieser Wechsel sorgt für eine ausreichende Belüftung des Bodens, erhält sein natürliches Reinigungsvermögen sowie seine Wasseraufnahmefähigkeit. 

Bäume und Sträucher sorgen für ein gutes Klima innerhalb der Wasserstellen. Das herunterfallende Laub bildet z.B. eine gute Lebensgrundlage für die Organismen in und auf dem Boden.

Entsäuerung des Grundwassers

Damit keine Schäden an den Reservoiren und an den Wasserleitungen entstehen, darf das Trinkwasser keinen zu hohen Kohlensäureanteil enthalten. 

Um dies zu gewährleisten, wird die im Grundwasser natürlich vorkommende Säure durch die Zufuhr von Frischluft entfernt. Die eingebrachte Luft verdrängt so den grössten Teil des gelösten Kohlendioxids aus dem Wasser; es ist etwa so, als wenn man mit einem Strohhalm in ein Glas mit einem kohlensäurehaltigen Getränk hineinbläst.

Aufbereitung mit Aktivkohle

Das Grundwasser fliesst anschliessend in die Aktivkohlefilteranlage, wo es durch Becken mit einer 2,5 Meter dicken Aktivkohlenschicht geleitet wird. 

Aktivkohle hat viele extrem kleine Poren und bildet dadurch eine riesige Oberfläche, an der unerwünschte Spurenstoffe absorbiert werden.

Letzte Schritte in der Pumpstation

Im Frühjahr 2020 haben die IWB nach über drei Jahren Bauzeit eine neue Pumpstation in Betrieb genommen. In dieser Pumpstation finden die letzten Schritte der Trinkwasseraufbereitung statt. 

Zuerst erfolgt eine Bestrahlung des Wassers mit ultraviolettem Licht. Damit wird sichergestellt, dass keine pathogenen Keime im Trinkwasser vorhanden sind. Der Einsatz von ultraviolettem Licht für diesen Prozess ermöglicht nämlich den Verzicht auf Chlor und andere Chemikalienzusätze zur Desinfektion. 

Bevor das so aufbereitete Trinkwasser in zwei Reservoire in der Pumpstation zur Zwischenspeicherung fliesst, wird die restliche Kohlensäure durch die Zugabe geringster Mengen Natronlauge abgebunden. 

Leistungsstarke Pumpen fördern anschliessend das Trinkwasser ins städtische Netz.

Verteilung und Speicherung des Trinkwassers

Ein gleichbleibender Druck ist bekanntlich notwendig, damit das Wasser seinen Weg bis zu den oberen Stockwerken der Häuser in der Stadt findet. 

Zur Versorgung von Stadtgebieten, die ihrerseits höher liegen als die Innenstadt von Basel, befinden sich weitere Reservoire in höheren Zonen. 

Das höchstgelegene befindet sich im Fernsehturm St. Chrischona in Ortsteil Bettingen BS auf rund 600 Metern über Meer.

Versorgungssicherheit dank intelligenter Infrastruktur

Die jederzeit sichere Versorgung von rund 210 000 Menschen mit qualitativ einwandfreiem Trinkwasser ist eine logistische Herausforderung. 

Ein automatisiertes Leitsystem gewährleistet den Betrieb der Rheinwasserentnahme, der Aufbereitung und der Verteilung des Trinkwassers rund um die Uhr. 

Somit stellt man den täglichen Bedarf sicher. Vor allem auch an heissen Sommertagen. 

Die rund um die Stadt angelegten, ringförmigen Transportleitungen mit ihren vielen Verzweigungen bis zu den Hausanschlüssen reduzieren die Auswirkungen von Rohrbrüchen auf ein Minimum. So können für Reparaturarbeiten nur kleine Abschnitte unterbrochen werden, ohne die umliegende Gebiete von der Versorgung zu trennen.

Qualitätsüberwachung erfolgt im IWB-Wasserlabor

Das erste Labor zur Überprüfung der Trinkwasserqualität wurde bereits vor über 100 Jahren im Jahr 1913 in Betrieb genommen. 

Das IWB-Wasserlabor überwacht das Trinkwasser auf allen Prozessstufen der Aufbereitung. Angefangen bei der Wasserentnahme aus dem Rhein. Ebenso prüft es die Qualität in den Reservoiren und in den Transportleitungen. Das gesamte Trinkwasser aus den «Langen Erlen» und aus dem Hardwald in BL wird so entsprechend sehr sorgfältig aufbereitet. So will man gewährleisten, dass das wichtigste Lebensmittel in Basel-Stadt immer auch gesund ist und bleibt.

Fazit und Fakten zum Baselstädtischen Trinkwasser

Das Baselstädtische Trinkwasser wird somit schon länger insgesamt sehr klimafreundlich und sehr nachhaltig erzeugt.

Es kann sich auch jederzeit mit Wässern wie Evian, San Pellegrino und anderen importierten und mehr oder weniger teuren Wässern messen. 

Fakten zum IWB Trinkwasser

  • Wasserabgabe pro Jahr: rund 26 Mio. m³
  • Abgabe an andere Werke: 2.3 Mio m³
  • Mittlere Wasserhärte: 19.0°fH, 10.6°dH
  • Verbrauch pro Kopf: 217 Liter täglich (inkl. Kleingewerbe)
  • Länge Leitungsnetz: rund 570 km
  • Anzahl Pumpwerke: 9
  • Anzahl Reservoire: 10
  • Anzahl Grundwasserbrunnen in den «Langen Erlen»: 11 Hauptbrunnen plus Nebenbrunnen
  • Fassungsvermögen der Reservoire: 42 000 m³

Machen sie doch mal einen Selbstversuch. 

Für kohlensäurehaltiges Wasser gibt es gute Sprudelmaschinen wie zum Beispiel die – relativ teuren – Apparate von Soda Club, die aber auch länger halten als die vom Discounter.

Artikel konzipiert von Hansjörg Rosebrock. Redigiert von HG.

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