«Zehn Gebote Vol. 2» bekommen Kunstasyl

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(Zürich)(PPS) Die Räumung der «Zehn Gebote Vol. 2» aus dem Zürcher Schanzengraben steht bevor: Das artonomische Kunstprojekt der Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin in Komplizenschaft mit dem Zürcher Blockchain Start-up Fyooz tritt somit in eine neue Phase über. Gut einen Monat lagen die illegal versenkten Sandsteinblöcke auf dem Grund des Zürcher Schanzengrabens (vgl. Video). Die vom kantonalen Gewässerschutz verordnete Räumung erfolgt fristgemäss per 13. August 2020. Die Hebung der zehn Gebotstafeln vom Grund des Gewässers findet übermorgen Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr statt. Anschliessend werden sie mit zehn Hubkarren an drei öffentliche Plätze prozessiert und der Bevölkerung zur Schau gestellt. Zudem ist das Kunstasyl des Werks gesichert. Knapp zwei Dutzend Ideen sind eingetroffen.

Knapp drei Wochen nach Bekanntgabe des Räumungsbefehls und der damit verbundenen Beantragung des öffentlichen Kunstasyls für die «Zehn Gebote Vol. 2» sind zahlreiche Ideen, Vorschläge und Angebote aus der Gesellschaft eingetroffen. «Die Vielfalt der eingetroffenen Kunstasyle wiederspiegelt die Identifikation mit den neuen zehn Geboten», so die Riklin-Brüder. Die «Zehn Gebote Vol 2.» sind nun in der Verantwortung der Gesellschaft.

Schweizweite Vorschläge für Kunstasyle

Inzwischen sind 21 Ideen für ein Kunstasyl im öffentlichen Raum aus der ganzen Schweiz eingetroffen. Wo das Kunstwerk künftig stehen könnte befindet die Gesellschaft sowie eine Jury im September. Dann wird das endgültige Schicksal des neuen Verbleibs der «Zehn Gebote Vol. 2» besiegelt. Der öffentliche Ideenaufruf auf www.fyooz.io/zgv2/ läuft noch bis Ende nächster Woche. Die gesamten eingegangenen Vorschläge werden im September bekannt gegeben.

«Zehn Gebote Vol. 2» sind bereits zehn Tonnen Schweizerfranken schwer

Der vom kantonalen Gewässerschutz verfügte Räumungsbefehl der «Zehn Gebote Vol 2» erfolgt fristgemäss. Die ursprünglich rund 1 Tonne schweren Steine haben durch ihren Aufenthalt auf dem Grund des öffentlichen Gewässers an Gewicht zugelegt, da der Sandstein Wasser aufsaugt. Das Werk legt aber nicht nur an Eigengewicht zu, sondern auch an monetärem Wert.

Die «Zehn Gebote Vol 2» wurden in der artonomischen Komplizenschaft zwischen Kunst und Wirtschaft als Versuchsanlage ins Leben gerufen, um die Frage zu beantworten, ob sich der abstrakte Wert eines Kunstprojekts in einem monetären Gegenwert bemessen lässt. Als Teil dieses Experiments, kann die Gesellschaft unter fyooz.io/zgv2 mit einem Klick auf dem Smartphone in die Gebotstafeln investieren. 

Diese Möglichkeit wird bereits genutzt: «Die artonomische Aktion «Zehn Gebote Vol.2» führt zu einem Wertanstieg des Werk», betont Remo Prinz, Co-Founder von Fyooz und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Die Gebotstafeln sind jetzt tatsächlich nicht mehr nur eine Tonne an Eigengewicht, sondern zehn Tonnen in Schweizerfranken schwer.» Gespannt verfolgt man in der Komplizenschaft den weiteren Verlauf des Werte Experiments.

Wenn Kunst zur Haltung wird: Inzwischen bildete sich eine Patina mit Ablagerungen auf den seit rund 4 Wochen versenkten Sandsteinplatten im Gewässer des Schanzengrabens. Grund genug, um  die «Zehn Gebote Vol. 2»  mit einem Handbesen wieder frei zu putzen (vgl. Video «Gebote putzen»). Die artonomische Komplizenschaft zwischen den Konzeptkünstlern Frank und Patrik Riklin und dem Zürcher Blockchain Start-up Fyooz vereint Kunst, Haltung und Sinn vor Ökonomie. Kommenden Donnerstag, 13. August, muss die illegal versenkte Kunstinstallation laut Kanton Zürich geräumt sein. Die Hebung findet zwischen 10 und 12 Uhr statt. (Foto: Jaime de Matos Cunha)

Online-Abstimmung und Jury entscheiden über Kunstasyl

Aufgrund des grossen Rücklaufs an Ideen für das Kunstasyl entscheiden zwei Quellen über den neuen Verbleib der «Zehn Gebote Vol. 2»: Einerseits ein demokratisches Votum mittels Online-Abstimmung in den sozialen Medien, andererseits eine neutral zusammengesetzte Jury an der Schnittstelle zwischen Kunst und Gesellschaft, mit Befürworter*innen und Skeptiker*innen. Bis Sonntag, 16. August, können weitere Ideen auf fyooz.io/zgv2 eingegeben werden. Die Online-Abstimmung und Jurierung finden im September statt. 

Öffentliche Prozession durch die Stadt

Nach dem «Hievungsakt» der zehn Sandsteintafeln werden die «Zehn Gebote Vol.2» kommenden Donnerstagnachmittag kollektiv durch die Stadt eskortiert. Zehn «Gebotschieber*innen» werden je eine Gebotstafel mittels Hubkarren an drei öffentliche Plätze transportieren. Die Bevölkerung bekommt dadurch die Möglichkeit, nochmals einen persönlichen Augenschein der zehn gemeisselten Gebote zu nehmen. Danach wird das Kunstwerk an einem geheimen Ort zwischengelagert, bis klar ist, welches Kunstasyl die Gesellschaft für die «Zehn Gebote Vol. 2» definiert.

Zwischenstationen der «Zehn Gebote Vol.2», Donnerstag, 13. August 2020, 13 bis 18 Uhr

13 Uhr: Paradeplatz
15 Uhr: Sechseläuten-Platz
17 Uhr: Hauptbahnhof, Halle

Was bisher geschah

Vom 22. Juni bis 3. Juli fand die öffentliche Meisselung vor dem Kloster St. Gallen statt. (vgl. Video). Die St.Galler Konzept- und Aktionskünstler Frank und Patrik Riklin schlugen ihre Meissel auf zehn Sandsteinblöcke und schrieben die «Zehn Gebote Vol.2» für die Gesellschaft der Zukunft. Am 9. Juli wurden die zehn Sandsteinplatten mit zehn neuen Geboten in Steinwurfnähe des Zürcher Paradeplatzes, in einem unbewilligten Akt öffentlich ausgesetzt und der Gesellschaft überlassen (vgl. Video der Versenkung), als ‘Talking Piece’ zugunsten von wertebasiertem Wirtschaften und Handeln. Am 21. Juli verordnete der kantonale Gewässerschutz des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) einen Räumungsbefehl der «Zehn Gebote Vol. 2». Darauf folgte ein öffentlicher Aufruf für ein Kunstasyl der zehn Gebotstafeln. Im September wird der über den künftigen Standort des Kunstwerks entschieden. 

In artonomischer Komplizenschaft mit Fyooz rütteln die Riklin-Brüder am System der Wirtschaft und bearbeiten das Potential zwischen Kunst und Ökonomie. Es geht um Sinnorientierung, Haltung und Demokratisierung.

Die Kunstaktion findet an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wirtschaft, Philosophie und Religion statt und versteht sich als sinnhafter «Kompass für die Gesellschaft der Zukunft». Sie soll den kontemplativen Assoziationsraum für individuelle Gedanken, Dialoge und Handlungen nachhaltig provozieren. «Zehn Gebote Vol. 2» ist eine Art gesellschaftliches Senselifting zugunsten einer neuen, zeitgenössischen Kompatibilität zur he

utigen Realität der Welt – mit neuen Geboten, die zur Selbstreflexion appellieren und inspirieren. Die Riklins schweigen in Bezug zur Interpretation der neuen Gebote.

Die «Zehn Gebote Vol. 2»

1. Nimm deine Gedanken ernst und glaube an ihre Dringlichkeit.
2. Vertraue dem Ver-rückten; es hinterfragt das Übliche.
3. Breche ein, damit andere ausbrechen können.
4. Riskiere dein bisheriges Ich: Wage Neues, überrasche dich selbst
5. Schaffe neue Realitäten; komm vom Denken ins Handeln
6. Sei überzeugt, und du brauchst keinen Mut mehr
7. Halte Kritik aus; sie ist Motor und Treiber des Diskurses.
8. Akzeptiere Gegenspieler; sie sind das Indiz dafür, dass etwas Neues geschieht.
9. Suche nicht nach Kunden, finde Komplizen.
10. Setze Prozesse dort fort, wo sie vermeintlich enden.

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