Leben im Hintergrund der kranken Geschwister – Schattenkinder im Scheinwerferlicht der Zirkus-Manege

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(Uster)(PPS) Im Mittelpunkt stehen, alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, in die stolzen Gesichter der Eltern, Grosseltern und Geschwister blicken – für die Teilnehmer des 2. KMSK Zirkusevents hat das eine ganz besondere Bedeutung. Sind sie es doch, die viel zu oft im Schatten ihrer kranken Geschwister stehen, und im Alltag zurückstecken müssen. Die Geschwisterkinder und deren Familien wurden zu diesem Anlass vom Förderverein für Kinder mit seltenen Krankheiten eingeladen.

Ein Knistern liegt in der Luft, Zirkusmagie erfüllt den Raum und es duftet nach frischem Popcorn.  Kleine Akrobaten, Luftseilartisten, Clowns, ja sogar Löwen und Affen huschen aufgeregt umher und steigern die Vorfreude auf eine ganz besondere Zirkusaufführung. Bereits zum zweiten Mal fand Ende Juli der KMSK-Zirkusevent für Kinder von betroffenen Geschwistern statt. 

Und dieser war einmal mehr ein voller Erfolg. In wenigen Stunden ist unter der professionellen Leitung der Flyingdance Crew in Fällanden eine gigantische Zirkusvorstellung entstanden. «Der Faktor Zeit ist für uns jeweils die grösste Herausforderung. In knapp fünf Stunden ein komplettes Zirkusprogramm einzustudieren grenzt schon fast an das Unmögliche», sagt Randy Scheibli von Flyingdance. Dass an diesem Tag jeweils alle zu Höchstleistungen auflaufen und das Unmögliche möglich machen, zeigte sich bereits während den Proben. 

In einem Postenlauf durften sich die sechzehn Teilnehmer an den verschiedenen Zirkusdisziplinen ausprobieren und sich anschliessend für ihren Favoriten entscheiden. «Ich wollte schon immer am Vertikaltuch in der Luft tanzen. Das sieht so leicht und elegant aus», sagt die 11jährige Lena. Für einen kleinen Jungen war hingegen sofort klar, dass er ein grosser Löwe sein möchte. «Ich kann auch so laut brüllen wie ein Löwe», lacht er und legt mit lautem Gebrüll los. 

Leben im Hintergrund der kranken Geschwister

Im Mittelpunkt stehen, alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, in die stolzen Gesichter der Eltern, Grosseltern und Geschwister blicken – für die Teilnehmer des KMKS-Zirkusevents hat das eine ganz besondere Bedeutung. Sind sie es doch, die viel zu oft im Schatten ihrer kranken Geschwister stehen, und im Alltag zurückstecken müssen. «Es ist überwältigend zu sehen, wie die Geschwisterkinder anfangs zurückhaltend sind, allmählich aufblühen und am Ende des Tages voller Selbstbewusstsein in der Manege stehen», sagt Manuela Stier, Initiantin des Fördervereins für Kinder mit seltenen Krankheiten (KMSK). 

Tatsächlich führen Geschwisterkinder häufig ein Leben im Hintergrund ihrer kranken Geschwister, sie werden deshalb auch als Schattenkinder bezeichnet. Schon früh müssen sie lernen Rücksicht zu nehmen, ihre Anliegen und Wünsche zurückzustellen und Verantwortung zu tragen. 

„Es belastet uns und nagt an unserem Gewissen, dass unsere gesunde Tochter häufig zu kurz kommt. Umso schöner ist es, wenn sie an einem Tag wie heute im Mittelpunkt steht“, erzählt eine betroffene Mutter. 

Krönender Abschluss eines aussergewöhnlichen Tages

Als die Zirkusmusik ertönte und die ersten Kinder in die Manege stürmten, hatte wohl jeder im Publikum Gänsehaut. Das Strahlen und der Stolz in den Augen der Zirkus-Kinder sprach in diesem Moment Bände. Es erzählte davon, wie die Kinder an diesem Tag über sich hinausgewachsen sind und an Selbstbewusstsein

, Anerkennung und Mut gewonnen haben. Voller Begeisterung präsentierten sie ihr Zirkusnummern – am Vertikaltuch, in der Bodenakrobatik, als dressierte Löwen und Äffchen, als Clowns oder grazile Feen.

Gerne vermitteln wir Ihnen eine betroffene Familie aus Ihrer Region, damit Sie ein Interview zum Thema Geschwisterkinder erstellen können.

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